• Zentrale Forderungen des Verbands der Asbestopfer in Deutschland

Zentrale Forderungen

Die Lage der Asbestopfer

Während die Unfallversicherungsträger, die Berufsgenossenschaften, durch die Asbestkatastrophe den größten Schadensfall ihrer Geschichte zu finanzieren haben, können die Beiträge der versichernden Unternehmen gesenkt werden, wie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV e.V.) als Erfolgsmeldung verkündete. Wie kann das sein?

Geringe Anerkennungsraten

Laut offizieller Berufskrankenstatistik gibt es 36.000 Asbesttote, konservativ geschätzt sind es weit mehr als 70.000. Die Anerkennungsraten von asbestbedingten Berufskrankheiten sind epidemiologisch belegbar in Deutschland viel zu gering. Dies gilt insbesondere für Lungenkrebs, der mit einer 2,5-mal höheren Rate anerkannt werden müsste. Jüngere epidemiologische Studien gehen noch von weit höheren Raten aus Die Ursachen sind in medizinischen Kriterien der Begutachtung zu suchen, mit denen die Berufsgenossenschaften wider den wissenschaftlichen Kenntnisstand arbeiten, als auch in der den Betroffenen auferlegten retrospektive Beweissicherung im geltenden Berufskrankheitenrecht, die ursprünglich für das Spontanereignis eines Unfalls angelegt war. Betroffene haben nach Jahrzehnten das Problem zu beweisen, dass sie asbestexponiert waren. Das ist schwer, wenn Firmen nach so langer nicht mehr existieren oder Unterlagen vernichtet worden sind. Nur 20% aller Antragsteller mit Lungenkrebs werden von der Berufsgenossenschaft als asbest- und berufsbedingt anerkannt.

Mehr dazu: Belege und Gründe für die niedrige Anerkennungsquote von asbestbedingtem Lungenkrebs

Politisch ist zu fragen, warum die arbeitsbedingten Krankheitskosten gegen das geltende Recht in hohem Maße der Allgemeinheit aufgebürdet werden. Aber wahrhaft schmerzlich sind Tausende von Einzelschicksalen: Menschen, deren Gesundheit dem Profit geopfert wurde. Laut einem Berechnungsschlüssel der WHO verliert in Deutschland ein Asbestkranker durchschnittlich 13,9 Lebensjahre. Es sind Menschen, die meist mit harter körperlicher Arbeit den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien verdient haben und die nun dieses Unrecht erleben müssen. Im Erleben des krebsbedingten Siechtums fehlt auch den meisten Familien die Kraft, sich gegen ungerechte Entscheidungen zu wehren.

Ein nach sozialstaatlichen Prinzipien organisierter Staat muss sich fragen lassen, warum er die Regelung der Haftung und Entschädigung für den größten Schadensfall der Industriegeschichte allein der haftenden Versicherung überlässt? In Deutschland herrscht kein Geist der Fürsorge für die Opfer dieser Katastrophe, im Gegenteil: Sie müssen als Schwerkranke vor dem Sozialgericht kämpfen.

1993 wurde nach jahrelangen Diskussionen der Gefahrstoff Asbest in Deutschland endlich verboten, aber der Höhepunkt der Erkrankungsraten ist heute.

Asbestopfer sind Menschen, deren Gesundheit dem Profit geopfert wurde. Ihnen wurde großes Leid zugefügt und der staatliche und berufsgenossenschaftliche Arbeitsschutz schützte sie nicht vor dem Gefahrstoff Asbest..

Mehr dazu: Zur Geschichte des Asbestverbotes in Deutschland

Der Bundesverband der Asbestopfer fordert:

  • Berufskrankheitenverfahren müssen nach dem aktuellen Stand der unabhängigen Wissenschaft entschieden werden.
  • Die aufgrund von veralteten wissenschaftlichen Grundlagen abgelehnten Fälle sollen wieder aufgenommen und entschädigt werden (Asbestkörperchenzählungen).
  • Die Expositonserfassung muss einen höheren Stellenwert im Berufskrankheitenverfahren bekommen.
  • Das Beweisverfahren muss für den Betroffenen erleichtert werden. Der asbestbedingte Krebs bricht meist nach 30, 40 oder gar 50 Jahren aus. Von einem Arbeitnehmer wird erwartet, dass er definitiv beweisen kann, z.B. in den 60/70er Jahren asbestexponiert gewesen zu sein. Hier muss es eine Beweislastumkehr in Berufskrankheitenverfahren geben.
  • Weil z.B. Männer in Arbeitskleidung nach Hause kamen, bzw. diese Kleidung im Hause gewaschen wurde, erkrankten auch viele Familienangehörige. In Deutschland erhalten diese Asbestopfer keinerlei Entschädigung – dies darf nicht so bleiben.

Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im In- und Ausland unterstützen diese Forderungen. Mehr dazu...

Deutschland ist es seinen Asbestopfern schuldig, die auch die größte Gruppe der Berufskranken bilden, sie zu unterstützten und ihnen eine qualifizierte und vor allem auch unabhängige eigene Interessenvertretung zu ermöglichen. Die Asbestopferorganisationen - die ja zurzeit auch die größte Gruppe der Berufskranken repräsentiert – haben bisher keinerlei Unterstützung von der Bundesregierung erhalten. Eine Haltung der Regierung, zu all den Fragen auf die Berufsgenossenschaft zu verweisen, ist verfehlt, ist sie doch als Arbeitgeberhaftpflicht-Versicherung der Hauptgegner in der Auseinandersetzung um Entschädigungen der Kranken und ihrer Hinterbliebenen. Der Bundesverband der Asbestose Selbsthilfegruppen fordert deshalb eine nationale Anlaufstelle, eine Zentralstelle der Asbestopfer angesiedelt beim Bundesverband.