Wissenschaftliche Unterstützung

Die Berliner Erklärung

Auf dem deutschen Krebskongress im Februar 2014 in Berlin wurde auf Initiative der norddeutschen Landeskrebsgesellschaften Hamburg-Schleswig-Holstein – Bremen im Verbund mit der UICC (Union of International Cancer Control) die Berliner Erklärung zu Gesundheitsrisiken durch Asbest und Lage der asbestbedingt Erkrankten verabschiedet.

Sie hat eine breite nationale und internationale Unterstützung gefunden, unter anderem ist sie von allen deutschen Landeskrebsgesellschaften unterzeichnet worden. Neben den internationalen Forderungen u. a. nach einem absoluten Asbestverbot, geht es darum, die Betroffenen in Deutschland bei der Realisierung ihrer Rechte gegenüber den Berufsgenossenschaften und bei der Anerkennung ihrer asbestbedingen Berufskrankheiten zu unterstützen. Dabei geht es  u. a. um Beweislastumkehr bzw. Beweiserleichterungen in Berufskrankheitenverfahren, um Aufarbeitung und Wiedergutmachung für Fälle, über die aufgrund unwissenschaftlicher Standards in großem Umfang ablehnend entschieden wurden und konsequente Umsetzung der heutigen wissenschaftlichen Standards in der Diagnostik und Begutachtung.

Collegium Ramazzini

Das Collegium Ramazzini, das den Namen des ersten im 16. Jahrhundert wirkenden Arbeitsmediziners Bernandino Ramazzini trägt, ist 1982 gegründet worden und eine unabhängige internationale Akademie von 180 hochrenommierten Arbeits- und Umweltmedizinern aus mehr als 30 Ländern. Sie nehmen öffentlich Stellung zu grundlegenden Themen ihres Faches. In der Geschichte des Umgangs mit Asbest und seinen Opfern ist es der Asbestindustrie immer wieder gelungen, durch den Kauf von Wissenschaftlern Asbestverbote zu verzögern und das Recht der Opfer auf finanzielle Entschädigung zu schmälern.

So gelang dies auch wieder bei Teilen der letzten Helsinki-Deklaration 2014. An den Deklarationen von Helsinki orientieren sich die Maßstäbe der Begutachtung von Asbestkranken in Berufskrankheitenverfahren. Das Collegium Ramazzini kritisiert die Pathologie-Diagnose bei asbestbedingter Erkrankungen und trifft damit die Praxis des berufsgenossenschaftlich finanzierten Mesotheliom-Registers. Es kritisiert:

  • die Überbetonung des Nachweises von Asbestkörpern als Indikatoren einer zurückliegenden Asbest-Exposition
  • die Überbetonung der Asbestfaserzahl im Lungengewebe als Indikator einer zurückliegenden Asbestexposition
  • die Anwendung des Rasterelektronenmikroskops (SEM) mit geringer Auflösung als Methode zur Evaluation einer Asbest-bedingten Erkrankung, und
  • die fehlende Berücksichtigung, dass Chrysotil die dominierende Asbestfaserart bei pleuralem Mesotheliom ist.

Das Collegium Ramazzini schlussfolgert in seiner Presseerklärung vom 14.10.2015, dass die Anwendung der Pathologie-Diagnose-Empfehlungen des 2014 Helsinki Report zur Nichterkennung asbestbedingter Erkrankungen führen wird. Das bedeutet auch ein Versagen der Berufskrankheiten-Anerkennungs-Systeme in Bezug auf eine sachgerechte Entschädigung von ehemals asbestexponierten Beschäftigten.