• Wissenswertes über Asbest

Wissenswertes über den Gefahrstoff Asbest

Die große Entdeckung

Als vor vielen hunderttausend Jahren auf der Erde sehr heiße Erd- und Wasseroberflächen entstanden, wurde unter Druck aus den Salzlösungen, zum Beispiel aus Magnesium-Silikatverbindungen, die Asbestfasern in großen Mengen gebildet.

Das faserförmige Mineral war gut zu gebrauchen. Es wurde bereits vor 2000 Jahren wegen seiner elastischen und hitzebeständigen Eigenschaften aus Gesteinen abgebaut und wie die Schafswolle zu einem Garn und dann zu Geweben verarbeitet. Damit konnte man sich vor Hitze und Feuer gut schützen. Die Griechen nannten diese Mineralfaser: "asbestos = unauslöschlich, unvergänglich". Von den Römern wird vom unsterblichen Leinen "linum vivum" und in den Reiseberichten von Marco Polo vom Asbestabbau, sowie von feuerfesten Tüchern in China berichtet. Auch die Feuerdochte aus diesem Material waren damit beständig und die Tonkrüge wurden mit den Asbestfasern haltbarer.

Asbestverwendung - Faser der tausend Möglichkeiten

Die außergewöhnlich guten physikalischen und chemischen Eigenschaften der langlebigen Faser blieben der Industrie nicht verborgen: Seit mehr als 120 Jahren kamen einige Mio. Tonnen Asbest in über 3.500 Anwendungsbereichen zum Einsatz, z. B. in der Bauindustrie für Fassaden, Dachabdeckungen, Brandschutz, Wärmeisolierungen und Dichtungen, außerdem in bestimmten Textilien (Schutzkleidung), in Kunststoffen und Elektrogeräten, in PVC-Böden ebenso wie in Bremsbelägen. Es war somit die "Faser der tausend Möglichkeiten". Besonders in den Jahren von 1950 bis 1990 wurden in den alten und in den neuen Bundesländern über 10 Millionen Tonnen Asbest, vorwiegend für Asbestzementprodukte, für Rohre, Platten, Fassaden- und Dachabdeckungen, sowie für den Feuerschutz in Gebäuden eingesetzt. Diese finden wir noch heute in den Altlasten. Die Faser wurde auch verwendet für die Wärmedämmung von Turbinen in den Kraftwerken, Dichtungen bei Dampfversorgungsanlagen, aber auch für Flüssigkeits- und Luftfilter, Bremsbeläge, sowie für die Schutzkleidung bei der Feuerwehr oder für die Arbeiter am Hochofen. Eine Aufklärung über die Gesundheitsgefahren bei der Herstellung und Verwendung von Asbestmaterial erfolgte damals weder bei uns und noch bei vielen anderen. Ein Atemschutz war nur selten vorgesehen.

Die Asbestkatastrophe

Bereits vor dem 1. Weltkrieg lehnten es Lebensversicherungen ab, Menschen aufzunehmen, die mit Asbest gearbeitet hatten. Seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts sind Asbestose und asbestbedingter Lungenkrebs Berufskrankheiten. Aber die Erkenntnis über gesundheitlichen Schäden bedeutete über viele Jahrzehnte nicht, dass etwas Entscheidendes geschah, um diese Schäden zu verhindern. Menschen waren meist schutzlos dem todbringenden Staub ausgesetzt. In Deutschland wurden im Wiederaufbau und danach viele Millionen Tonnen Asbest verbraucht. Um die 580.000 ehemals Asbestexponierte sind immer noch bei der zentralen Erfassungsstelle GVS (Gesundheitsvorsorge der gesetzlichen Unfallversicherungsträger) registriert.

Seit 1993 besteht in Deutschland ein Asbestverbot für die Herstellung und Verarbeitung. Die Asbestindustrie hatte zuvor mit allen Mitteln versucht, u. a. durch „gekaufte“ Arbeitsmediziner durch Verharmlosung des Gefahrstoffes, das Verbot zu verhindern.

Altlasten und Entsorgung

Die vielen Altlasten z. B. an Gebäuden müssen nun vorschriftsmäßig entsorgt werden. Die "Technischen Regeln für Gefahrstoffe - TRGS 519" enthalten besondere Schutzmaßnahmen für den Umgang mit Asbest und asbesthaltigen Gefahrstoffen bei Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten und bei der Abfallentsorgung.